Osterhase für den Fairen Handel

Wie fair ist deine Lieblingsschokolade? Das fragt sich auch der Osterhase Marina vom Eine Welt Laden Neumarkt, der sich an der Unterschriftensammlung der „Aktion nachgehakt“ beteiligt.

In vielen Städten gehen Osterhasen auf die Straße, um gegen unfaire Schokolade im Osternest zu protestieren.  Die Osterhasen werden auf die Straßen und Plätze gehen und von den Schokoladen­unternehmen endlich Oster­schokoladen­eier ohne Armut, Hunger und Kinderarbeit einfordern. Denn die Aktion #nachgehakt: Wie fair ist meine Lieblings-Schoki? hat gezeigt, dass die meisten Schokoladen­unternehmen noch immer sehr wenig tun, um Menschenrechts­verletzungen im Kakaoanbau zu beenden. Von 65 Schokokoladen­unternehmen haben bislang nur 19 Unternehmen auf die Fragen der VerbraucherInnen reagiert.

Im Dezember 2015 wurden von der europäischen Kampagne Make Chocolate Fair! 120 000 Unterschriften in Brüssel an CAOBISCO (Schokoladen- und Süßwarenverband in der Europäischen Union) übergeben. Der Eine Welt Laden Neumarkt beteiligte sich 2015 sich an dieser Aktion. Daraufhin versprach CAOBISCO Make Chocolate Fair!, dass Schokoladenunternehmen ihre Bemühungen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kakaobauernfamilien verstärken werden. Doch Versprechen allein reichen nicht aus – den Worten müssen Taten folgen!

Allein in der Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) und in Ghana arbeiten über zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen, Hunderttausende davon unter Bedingungen, die nach internationalen Standards verboten sind (Quelle: Tulane Bericht 2015).

Deutsche essen im Durchschnitt 10 kg Schokolade pro Jahr – und gehören damit weltweit zu den Spitzenreitern. Doch der süße Genuss hat einen bitteren Beigeschmack: Millionen von Kleinbäuerinnen und -bauern produzieren den Kakao für unsere Schokolade unter menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Aktuelle Meldung vom 03.04.2017

Gestern verkündete die ivorische Kakaovermarktungsstelle Conseil Café Cacao, zum 1. April 2017 den staatlich garantierten Kakaopreis um 30 Prozent zu senken. Der Weltmarktpreis für Kakao war zuletzt innerhalb eines halben Jahres um etwa ein Drittel auf teilweise unter 2000 US-Dollar pro Tonne gefallen.

Während sich in Deutschland Kinder auf die Schokoladenköstlichkeiten im Osternest freuen, müssen Kakaobauernfamilien in der Elfenbeinküste nun mit starken Einkommensverlusten rechnen. Die Situation tausender Kakaobauernfamilien wird sich dadurch drastisch verschärfen. Make Chocolate Fair! fordert die Schokoladenindustrie auf, Strategien zu entwickeln, um Preisschwankungen besser aufzufangen und den Bäuerinnen und Bauern ein existenzsicherndes Einkommen zu garantieren. Wenn die Schokoladenindustrie Armut unter Kakaobauernfamilien ernsthaft bekämpfen will, muss sie endlich aktiv werden, damit Kakaobauern nicht schutzlos den Preisschwankungen an den Börsen ausgeliefert sind.

Wir befürchten, dass durch die Kakaopreiskrise die missbräuchliche Kinderarbeit in der Elfenbeinküste weiter zunimmt, weil kein Geld mehr da ist, um ArbeiterInnen anzustellen. Bereits vor der Krise lag das Pro-Kopf-Einkommen der Kakaobauern in Westafrika unter einem 1 US-Dollar pro Tag und damit unterhalb der international definierten Armutsgrenze.

Bislang setzt die Industrie darauf, die Einkommen der Kakaobauernfamilien über Produktivitätssteigerungen zu erhöhen. Die Preisentwicklungen der letzten Wochen machen jedoch die Grenzen dieses Ansatzes deutlich. Denn sobald es ein Überangebot an Kakao gibt, fällt der Preis für die Bohnen. Produktivitätssteigerungen sichern den Unternehmen zwar billigen Rohstoff, aber die Kakaobäuerinnen und Bauern leben weiterhin in Armut. Das derzeitige Preissystem verhindert alle Bemühungen für einen nachhaltigen Kakaoanbau.

Es ist zu hoffen, dass der aktuelle Preissturz ein Weckruf für die Schokoladenindustrie ist. Manche Schokoladenunternehmen zahlen Kakaobauernfamilien bereits Qualitäts- oder Nachhaltigkeitsprämien unabhängig vom Weltmarktpreis. Es ist demnach möglich, den Bauern höhere Zahlungen für ihren Kakao unabhängig vom Weltmarktpreis und von staatlichen Preisregulierungen zu gewähren.

Ein Drittel der globalen Kakaoernte kommt aus der Elfenbeinküste – das Land ist damit weltgrößter Kakaoproduzent. Rund 60 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Kakaobohnen stammen aus dem westafrikanischen Land. Dort wird der Kakao von 800.000 Kleinbäuerinnen und –bauern angebaut. Eine staatliche Vermarktungsplattform, der Conseil Café Cacao, reguliert den nationalen Kakaomarkt und zahlt den Bäuerinnen und Bauern einen Mindestpreis, der sich am Weltmarktpreis orientiert.

Die Unterschriften können auch online abgegeben werden unter:https://de.makechocolatefair.org/nachgehakt

Die Unterschriftenaktion läuft bis vor Ostern.